Menschen mit Pflegebedarf im Alltag unterstützen
Ehrenamtlich tätige Einzelpersonen leisten in Oberfranken wertvolle Arbeit
Seit einem Jahr unterstützt Ingrid Doersken aus Bamberg als ehrenamtlich tätige Einzelperson ihre Nachbarin. Diese hat Pflegegrad 1 und ist dankbar sowohl für die gemeinsame Zeit als auch die Entlastung im Haushalt. Bereits vor ihrer Registrierung als ehrenamtlich tätige Einzelperson leistete Ingrid Doerksen Unterstützung – jedoch ohne finanzielle Entschädigung. Seit Ingrid Doerksen bei der Fachstelle für Demenz und Pflege Bayern registriert ist, erhält sie eine Aufwandsentschädigung für ihre Dienste – sehr zur Freude der beiden Frauen.
Genau wie Ingrid Doerksens Nachbarin geht es vielen Menschen mit Pflegebedarf in Oberfranken: Unterstützung im Alltag, etwa bei Haushaltstätigkeiten, ist dringend notwendig, aber schwer zu finden. Die Kapazitäten professioneller Dienste reichen häufig nicht aus, um die hohe Nachfrage zu decken.
Unter anderem deswegen gibt es in Bayern seit 2021 die Möglichkeit für Bekannte und Verwandte ab dem dritten Verwandtschaftsgrad, ihre Unterstützung im Rahmen des Entlastungsbetrags mit der Pflegekasse abzurechnen. 131 Euro stehen allen Menschen ab Pflegegrad 1 dafür monatlich zur Verfügung.
Voraussetzung für die Registrierung als ehrenamtlich tätige Einzelperson ist eine zielgruppen- und tätigkeitsgerechte Qualifikation – dies kann beispielsweise Berufserfahrung, eine Ausbildung oder ein Studium in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Pflege oder Hauswirtschaft sein. Liegt eine dieser Qualifikationen nicht vor, bieten die Fachstellen für Demenz und Pflege in Bayern kostenfreie Schulungen an, um die notwendigen Kenntnisse aufzufrischen. Über die Website www.einzelperson-bayern-schulung.de können sich Interessierte zu einer solchen Schulung anmelden. Zur Auswahl stehen drei Formate: die Online-Live-Schulung, das Selbststudium mit anschließendem Online-Live-Austausch oder die Schulung in Präsenz vor Ort.
Nach der Registrierung als ehrenamtlich tätige Einzelperson kann mit der Pflegekasse eine Aufwandsentschädigung für die geleistete Hilfe abgerechnet werden.
Interessierte, die mehr über die Tätigkeit als ehrenamtlich tätige Einzelperson erfahren möchten, können sich an die Fachstelle für Demenz und Pflege Oberfranken wenden. Für eine Beratung stehen die Mitarbeiterinnen telefonisch unter 0951 / 85 512 oder per E-Mail an info@demenz-pflege-oberfranken.de zur Verfügung.
Interview
Um Interessierte auf diese Möglichkeit aufmerksam zu machen, beantwortete Ingrid Doerksen (I. D.) Vanessa Sänger, Mitarbeiterin der Fachstelle für Demenz und Pflege Oberfranken. einige Fragen:
Frau Doerksen, wie sind Sie auf die Tätigkeit der ehrenamtlich tätigen Einzelperson aufmerksam geworden?
I.D.: Ich habe meine Nachbarin schon längere Zeit unterstützt und sie zu verschiedenen Terminen begleitet. Bei einem gemeinsamen Besuch einer evangelischen Frauengruppe in Bamberg bekamen wir den Tipp, die Registrierung bei der Fachstelle für Demenz und Pflege durchzuführen. Ich habe Kontakt zur Fachstelle aufgenommen und kurz darauf an der Schulung teilgenommen.
Wie fanden Sie die Schulung und den Registrierungsprozess?
I.D.: Die Schulung vermittelt Grundlagen – diese zu hören war interessant. Bei der Umsetzung der Schulungsinhalte geht sicherlich jeder eigene Wege. Die Registrierung erfolgte problemlos. Ich hatte die Wahl mich selbstständig oder durch die Unterstützung der Fachstelle für Demenz und Pflege Oberfranken zu registrieren. Ich habe mich für letzteres entschieden. Die Registrierung erfolgte zeitnah und ich konnte bereits wenig später eine Aufwandsentschädigung von der Pflegekasse erhalten.
Wie kamen Sie dazu, Ihre Nachbarin zu unterstützen und welche Aufgaben übernehmen Sie?
I.D.: Ich kannte meine Nachbarin bereits flüchtig aus der Hausgemeinschaft. Irgendwann ergriff ich die Initiative und bot ihr meine Hilfe an, die sie erfreulicherweise annahm. Daran hat sich seitdem nichts geändert. Einmal wöchentlich putze ich ihre Wohnung, wasche und bügle ihre Wäsche. Zudem gehe ich regelmäßig für sie einkaufen oder begleite sie zu Terminen. Besonders wichtig sind mir außerdem unsere gemeinsamen Gespräche. Oft sitzen wir mit einer Tasse Tee zusammen und tauschen uns über unsere Lebenserfahrungen aus.
Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Tätigkeit?
I.D.: Das Beisammensein. Es gibt immer viel zu erzählen und durch den Kontakt zu meiner Nachbarin lerne ich noch viel Neues. Ein besonderer Moment für mich war mein Besuch während ihres Krankenhausaufenthalts. Ich betrat ihr Zimmer und meine Nachbarin begrüßte mich strahlend – ein Moment, der mir gezeigt hat, wie wichtig mein Engagement auch über die Unterstützung im Haushalt hinaus ist.
Welche Rückmeldung erhalten Sie von Ihrer Nachbarin über Ihre Tätigkeit?
I.D.: Viel Dankbarkeit. Ich frage oft nach, ob sie mit dem, was ich mache, zufrieden ist. Dann bekomme ich meistens die Antwort, dass es besser nicht sein könnte. Und über die Möglichkeit, mir eine Aufwandsentschädigung für meine Unterstützung geben zu können, war sie auch sehr erfreut.
Was müssen Ihrer Meinung nach Personen mitbringen, die sich in diesem Bereich ehrenamtlich engagieren möchten?
I.D.: Ein gutes Einfühlungsvermögen in die Personen, die sie unterstützen. Dazu zählt auch, offen zu sein für alles, was die ehrenamtliche Tätigkeit mit sich bringt. Oft hilft die Unterstützung nicht nur dem Gegenüber, sondern bereichert einen auch selbst – ein gegenseitiges Geben und Nehmen.
Quelle: Pressestelle Landratsamt Bamberg