Demokratie unter Druck - Joachim Gauck zu Gast bei der vhs Bamberg-Land

Ein Abend, der nachhallt: Rund 800 Gäste, davon etwa 620 über die Volkshochschule Bamberg-Land, folgten am Donnerstag, den 20. März, der Einladung zur Lesung und zum Gespräch mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck im Aus- und Fortbildungszentrum der Bundespolizei in Bamberg. Unter dem Titel „Erschütterungen – Was unsere Demokratie von außen und innen bedroht“ analysierte Gauck eindringlich die Herausforderungen, mit denen die liberale Demokratie aktuell konfrontiert ist. Veranstalter des Abends war die vhs Bamberg-Land in Kooperation mit dem Aus- und Fortbildungszentrum der Bundespolizei in Bamberg sowie dem Bamberger Literaturfestival.

Joachim Schön, Leiter der vhs Bamberg-Land, brachte es in seiner Begrüßung auf den Punkt: „Die Besonderheit und Anziehungskraft unserer heutigen Veranstaltung verdanken wir dem Mann, der heute unser Gast ist, nicht nur weil er Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland war, sondern weil er auch ein Beteiligter und sehr guter Kenner der jüngeren deutschen und europäischen Geschichte und Politik ist.“

Im Gespräch mit dem TV-Journalisten und Buchautor Christhard Läpple erörterte Gauck die Bedrohung der Demokratie von innen und außen. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine verdeutliche, so Gauck, dass die Freiheit in Europa keine Selbstverständlichkeit sei. Gleichzeitig stehe die Demokratie auch in Deutschland unter Druck: Das Vertrauen vieler Bürgerinnen und Bürger in demokratische Institutionen sei erschüttert. Gauck stellte die Frage, welche Rolle autoritäre und libertäre Strömungen in Zeiten der Krise spielen und warum die Ostpolitik Deutschlands lange an den Prinzipien „Frieden vor Freiheit“ und „Wandel durch Handel“ festhielt – mit heute ernüchternder Bilanz.

Mit nachdenklichen, aber auch ermutigenden Worten rief Gauck dazu auf, sich nicht von Ängsten leiten zu lassen: „Wir sind nicht dafür geschaffen, unseren Ängsten zu folgen. Ängste sind menschlich. Sie zu minimieren, sie abzubauen und Mut zu fassen, ist auch eine menschliche Möglichkeit.“ Gleichzeitig betonte er den Wert der Errungenschaften der Bundesrepublik: „Wir haben dieses Land der Rechte und der Freiheit geschaffen, was wollen wir denn noch schaffen, worauf sollen wir denn noch stolz sein?“

Mit seiner bodenständigen, nahbaren und reflektierten Art begeisterte Joachim Gauck das Publikum und regte zu intensiven Diskussionen an. Ein Abend, der zeigte, dass Demokratie kein Selbstläufer ist – und dass es sich lohnt, für ihre Werte einzutreten.

Zur Person Joachim Gauck

Joachim Gauck, geboren 1940 in Rostock, war bis 1989 als Pastor tätig und Mitinitiator des kirchlichen und öffentlichen Widerstandes gegen die SED-Diktatur. Er engagierte sich als Sprecher des Neuen Forums in seiner Heimatstadt und war Abgeordneter der ersten freien Volkskammer. Von 1990 bis 2000 war er Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen, von 2012 bis 2017 elfter Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Er wurde mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet, darunter der Hannah-Arendt-Preis, der Geschwister-Scholl-Preis, der Europäische Menschenrechtspreis und der Ludwig-Börne-Preis.

26.03.2025 
Quelle: Pressestelle Landratsamt Bamberg