Hochwasserrisikobewusst planen und bauen - So geht's

Wer heute baut, plant für die nächsten Jahrzehnte – und damit auch unter veränderten klimatischen Bedingungen. Hochwasser, Starkregen und steigendes Grundwasser können nahezu überall zum Risiko werden. Umso wichtiger ist es, Gefahren frühzeitig zu erkennen und bei Planung und Bau konsequent mitzudenken.

Ob Neubau, Erweiterung oder Sanierung: Hochwasserangepasstes Bauen schützt nicht nur Gebäude, sondern auch Menschenleben, reduziert Folgekosten und wird in gefährdeten Gebieten zunehmend zur Voraussetzung für die Genehmigung. Wer Risiken kennt und vorsorgt, baut zukunftssicher – und gesetzeskonform.

1. Standort prüfen – Gefahren kennen

Eine der wichtigsten Entscheidungen fällt ganz zu Beginn: Wo wird gebaut? Schon vor Grundstückskauf oder Bauantrag lohnt sich ein Blick in die offiziellen Kartenwerke:

  • Überschwemmungsgebiete (HQ100): amtlich festgesetzte Risikoflächen
  • Hinweiskarten Starkregen: gefährdete Senken, Hanglagen, Rückstauzonen
  • Hoch anstehendes Grundwasser
  • Rückstaubereiche in der Kanalisation

Diese Informationen finden Sie im UmweltAtlas Bayern, bei der Gemeinde oder dem Wasserwirtschaftsamt. Selbst Gebiete außerhalb offizieller Hochwasserzonen können betroffen sein – etwa durch Starkregen oder Rückstau.

2. Gebäude hochwasserangepasst planen

Wenn sich ein Risiko nicht vermeiden lässt, können schon in der Bauplanung wirksame Schutzmaßnahmen eingeplant werden:

  • Gebäudenutzung anpassen: Aufenthaltsräume und technische Anlagen nur oberhalb des möglichen Wasserstands platzieren
  • Keller vermeiden oder sichern: z. B. durch wasserdichte Ausführung, Rückstausicherung, hochwassersichere Materialien
  • Bauweise überdenken: geschlossene, widerstandsfähige Konstruktionen, leicht zu reinigende Oberflächen, keine offenen Durchlässe
  • Zugänge schützen: bodengleiche Öffnungen vermeiden oder abdichten (z. B. mit mobilen Schutzsystemen oder Schwellen)
  • Außenanlagen berücksichtigen: Gelände so modellieren, dass Wasser abfließen kann (z. B. über Mulden oder Sickermulden)

Tipp: Die Hochwasserschutzfibel bietet viele praxisnahe Beispiele und Lösungen: https://www.fib-bund.de/Inhalt/Themen/Hochwasser/

3. Baugenehmigung & Rechtliches

In festgesetzten oder vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebieten gelten strenge gesetzliche Vorgaben (§ 78 WHG):

  • Neubauten sind dort nur ausnahmsweise zulässig.
  • Es müssen keine neuen Risiken entstehen und der Hochwasserabfluss darf nicht beeinträchtigt werden.
  • Die Nutzung muss so angepasst sein, dass keine zusätzlichen Schäden zu erwarten sind.

Das bedeutet: Frühzeitig mit Bauaufsicht und Wasserwirtschaftsamt abstimmen – gerade in kritischen Lagen.

4. Auch an das Versicherungsrisiko denken

Trotz aller Vorsorge kann Hochwasser Schäden verursachen. Wer sich davor schützen will, braucht eine Elementarschadenversicherung. Sie ergänzt die Wohngebäude- und Hausratversicherung und deckt Schäden durch Starkregen, Rückstau oder Überschwemmung ab. Besonders wichtig: In vielen Fällen leisten Versicherungen mehr als staatliche Soforthilfen – ein rechtzeitiger Abschluss schützt vor hohen finanziellen Belastungen im Ernstfall. Informationen und Beratung bieten Versicherungsunternehmen sowie die Verbraucherzentralen.

Vier Schritte zum Versicherungsschutz

  • Schritt 1: Blick in die eigenen Ordner
    • Bin ich bereits gegen Elementarschäden versichert?
    • Habe ich eine Wohngebäudeversicherung?
    • Sind im Versicherungsschein bei den versicherten Risiken auch die Elementarschäden erwähnt?
  • Schritt 2: Blick in die Bedingungen
    • Was steht in den Versicherungsbedingen zu den versicherten Gefahren?
    • Sind alle Naturgefahren abgesichert, die mir wichtig sind? (Überschwemmung, Rückstau, Erdrutsch, usw…)
  • Schritt 3: Angebote meines Versicherers sichten
    • Wie gut sind die Angebote des aktuellen Versicherers?
  • Schritt 4: Mehr Angebote einholen
    • Ich hole mir weitere Angebote für eine Wohngebäudeversicherung von anderen Versicherern ein.
    • Wenn ich nachweisen kann, dass mein Wohngebäude nicht versicherbar ist, weil es in einer hohen Gefahrenzone liegt, unbedingt die Absagen der Versicherung als Dokumentation aufbewahren. Damit können im Schadensfall staatliche Nothilfen mittel Härtefallregelung beantragt werden.

Fazit: Vorausschau zahlt sich aus

Wer Risiken kennt, kann gezielt vorsorgen – durch geeignete Standortwahl, intelligente Bauplanung und technische Schutzmaßnahmen. Das spart im Ernstfall nicht nur Geld, sondern schützt Leben, Gesundheit und Eigentum.

Nutzen Sie zusätzlich unsere Checkliste zur Übersicht. Hier können Sie die Checkliste herunterladen: